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„Wir haben eine große Lücke festgestellt“

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Südtirol hat seit März ein neues Nachrichten- und Communityportal. Auf salto.bz findet man Nachrichten, aktuelle News ebenso wie Hintergründe, aber vor allem viel Platz für Meinungen von Bürgerinnen und Bürgern, die darauf gewartet haben, mit anderen zu Südtirol relevanten Themen diskutieren zu können. Erster Eindruck: Es gibt viel mehr Leute in Südtirol, die zur öffentlichen Diskussion Qualität beitragen können. Max Benedikter, Sprecher der Herausgeber, über salto.bz.

 

Herr Benedikter, hat es in Südtirol noch ein neues Medium gebraucht?

Max Benedikter: Wir sind auf die Idee gekommen, weil wir die große Lücke festgestellt haben. Die etablierten Medien liefern News für ihre politischen Lager, es ist da keine Annäherung zwischen festgefahrenen Positionen festzustellen. Und um die öffentlich geführte mediale Diskussion zur Politik, zu Sachthemen und zu gesellschaftlichen Bedürfnissen auch wirklich zu verstehen, muss man die Hintergründe zu den Herausgebern kennen. Wir hatten alle das Bedürfnis nach einem wirklich unabhängigen Medium. Und wie sich zeigt, sind wir bei weitem nicht die einzigen.

 

Aber ist Südtirol reif für ein online-Medium?

Das haben wir vermutet und sehen es jetzt schon, dass sich diese Frage gar nicht ernsthaft stellt. Alle anderen Medien begleiten mit ihrem Online-Auftritt ihre Produkte in Print, Radio oder TV. Salto.bz ist das erste Nachrichtenportal für Südtirol im Netz. Wir hatten in nur wenigen Wochen mehrere hundert Registrierungen von userInnen und es werden täglich mehr. Und wenn Sie den Puls in der Community beobachten: Es zeigen sich erste zeitliche Fenster, da geht es in und zwischen den Bloggern richtig rund. Etwa in der Mittagspause, aber ganz besonders am Abend und am Wochenende.

 

Von wem sprechen Sie, wenn Sie von Wir reden?

Wir waren acht Leute, die mit der Idee gestartet sind und die Arbeitsgenossenschaft Demos2.0 gegründet haben. Das ist heute die Herausgeberin von salto.bz. Im Laufe der Planung sind einige Leute dazugekommen. Seit Jahreswechsel sammeln wir auch aktiv Mitglieder und freuen uns über jedes Mitglied: Je stärker die Genossenschaft wird, desto besser können wir die Unabhängigkeit von salto.bz garantieren. Wir freuen uns auch auf Südsterne, die uns aus der Ferne unterstützen möchten.

 

Salto.bz hat eine eigene Redaktion?

Ja, für uns arbeiten 7 JournalistInnen. Eine davon ist für grafische Darstellungen zuständig, die anderen recherchieren und schreiben für salto.bz. Wir haben drei deutsche und drei italienische JournalistInnen ausgewählt, weil wir eine Brücke zwischen den Sprachgruppen bauen möchten. Viele von uns leben die Zweisprachigkeit und wir möchten dieses Gut auch gerne vermitteln. Salto.bz liefert also in beiden Landessprachen Informationen und es lässt sich ebenfalls in beiden Sprachen wunderbar diskutieren.

 

Das salto.bz Logo

 

Interessiert Italiener und Deutsche in Südtirol dasselbe?

Beide sitzen zwar im selben Boot, aber nein, beide Sprachgruppen haben unterschiedliche Lesearten der Aktualität. Das hängt eng mit dem geografischen Lebensraum zusammen. Aber genau darauf versucht unsere Redaktion acht zu geben: Alle der RedakteurInnen bedienen im Grunde ihre Sprachgruppe, aber alle stammen aus einem sprachlich und kulturell sensiblen Umfeld. Wir versuchen die Ethnorelevanz der Südtiroler Medienwelt entgegenzusteuern, indem wir die jeweiligen Sprachgruppen mit „ungewohnten Nachrichten“ beliefern. Dieses Konzept hat noch nie jemand in Südtirol aufgegriffen – und wir müssen das gemeinsam auch erst noch weiterentwickeln.

 

Aus den Kommentarfeldern vieler Medien kennt man es, dass mehr Spams als Meinungsaustausch stattfinden…

… wir konnten das von Anfang an auch nicht ausschließen und haben einige Notfallpläne vorbereitet, die jetzt alle nicht gebraucht werden. Die Diskussionen laufen auf hohem Niveau ab und es gibt ständig neue Themen, auf die sich dann auch immer neue Leute stürzen. Wir freuen uns und wir haben Platz für alle, die auf salto.bz kommen mögen.

 

Wie finanzieren Sie salto.bz?

Wir haben einen Vertrieb aufgebaut, der dabei ist, Werbekunden von der Idee zu begeistern, auf salto.bz für ihr Unternehmen zu werben. Wir suchen private Sponsoren, die unsere Idee mittragen. Wir bekommen als Genossenschaft eine Starthilfe vom Land. Wir machen viel, aber selbst einen online-Medienbetrieb einzurichten, kostet. Und das gar nicht so wenig. Mit wenig mehr Geld könnten wir mehr in Marketing und investigativen Journalismus investieren und dann wirklich abheben.

 

Wird salto.bz ein kleiner kurzer Stern am Südtiroler Medienhimmel sein?

Ganz kurz kann ich schon mal ausschließen, weil unter uns Leute sind, die von Unternehmensführung viel verstehen, weil sie das hauptberuflich machen, und andere, die große praktische Erfahrungen haben, einen Betrieb zu führen. Wir in der Planungsgruppe sind eine geballte Ladung an Know-how, das es auch durchaus braucht. Aber natürlich, ja, wir brauchen auch Kunden, Sponsoren und Unterstützer, wenn Sie das so gemeint haben. Und wir freuen uns auf jeden.

 

Interview: Jutta Kusstatscher*

 

*Mitglied der Genossenschaft Demos2.0, welche salto.bz herausgibt