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„Vinschger Schüttelbrot ist meine Medizin“

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Das Dolomiten-Interview mit Südstern-Mediziner Lukas Fischer: Er ist eigentlich ausgebildeter Anästhesist und als solcher in einem Londoner Spital tätig. Doch der 38-Jährige aus Meran hat noch einen anderen Job. Als Überdruckmediziner praktiziert Fischer eine höchst umstrittene Behandlungsmethode.


 

Dolomiten: Sie sind Überdruckmediziner beim Notfalldienst für Taucher in London. Wie kam es dazu?

Lukas Fischer: In meiner Freizeit tauche ich gerne ­– allerdings ungern in Europa, sondern lieber in wärmeren Gefilden wie Ägypten, Thailand oder Mexiko. Physik und Chemie haben mich schon in der Schule fasziniert und die Zusatzausbildung in Hyperbarmedizin war für mich eine willkommene Gelegenheit, Beruf und Hobby zu verbinden.


D: Wie funktioniert die Behandlung mit hyperbarem Sauerstoff?

Lukas Fischer: Dem Patienten wird in einer Druckkammer über eine Maske reiner Sauerstoff verabreicht. Die Sauerstoffkonzentration im Blut und in den Körpergeweben wird gesteigert, um Heilungsprozesse zu unterstützen oder schädliche Gase aus dem Körper zu verdrängen. Behandelt werden die Dekompressionskrankheit, Kohlenmonoxidvergiftungen, lebensbedrohliche Weichteilinfektionen wie Gasbrand und Wundheilungsstörungen, wie sie etwa bei Diabetikern im Bereich der Beine auftreten können. Auch durch Strahlentherapie geschädigtes Gewebe wird mit Überdruck „repariert“.


D: Auch bei Ohrgeräuschen wie Tinnitus wird Sauerstoff mit Überdruck eingesetzt. Ist eine vollständige Heilung möglich?

Lukas Fischer: In der akuten Phase kann eine Druckkammerbehandlung zu einer Heilungsrate von 60 bis 80 Prozent führen. Tinnitus ist jedoch eine komplexe Krankheit, der organische und psychische Ursachen zugrunde liegen können. Zunächst ist daher immer eine Abklärung durch einen HNO-Spezialisten erforderlich. Generell gilt: Je früher behandelt wird, desto besser sind die Aussichten.

 

 

D: In vielen Ländern wie etwa in Deutschland ist die hyperbare Sauerstofftherapie umstritten. Warum?

Lukas Fischer: Zum einen ist die Behandlung technisch und personell sehr aufwändig und teuer, zum anderen bemängeln Kritiker, dass die bisher durchgeführten Studien nicht den höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen würden. Es ist schwierig, in der Druckkammer eine sogenannte „geblindete Studie" durchzuführen - also eine Studie, wo der Patient nicht merkt, ob er Sauerstoff oder ein Placebo bekommt. Die Nebenwirkungen sind gering. Es kann etwa zu einer Reizung des Trommelfells oder einer vorübergehenden Sehschwäche kommen.


D: Woran erinnern Sie sich gerne, wenn Sie an Ihre Studienzeit denken?

Lukas Fischer: An das Jahr 1995. Damals war ich im fünften Semester an der Universität Graz und habe meinen ersten E-Mail-Account bekommen. Da hieß es dreißig Minuten Schlange stehen für dreißig Minuten Internet. Wie ein Schulkind habe ich mich gefreut, als ich von meinem Cousin eine E-Mail aus Mexiko bekam. Heute ist das alles selbstverständlich. Ich glaube, wir hatten damals, ohne Smartphones und ohne Facebook, eine entspanntere Zeit.


D: Was ist Ihre Medizin gegen Heimweh?

Lukas Fischer: Originales Vinschger Schüttelbrot! Das krachende Geräusch beim Zerkauen und der Geschmack von Kümmel und Anis sind einzigartig. Meine Arbeitskollegen wollen immer was davon abhaben. Zum Glück ist Schüttelbrot auch lange haltbar, so muss ich mir nur einmal im Jahr Nachschub aus Südtirol besorgen!


Alexandra Hawlin





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