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„Als Microsoft mich zum Interview einlud, lehnte ich vorerst ab“

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Beim zweiten Anlauf konnte der Software-Riese den Brixner Christian Liensberger schließlich für sich gewinnen. Seit 2010 arbeitet der 29-Jährige als Programm Manager am Microsoft-Hauptsitz in Redmond/Washington – und beweist: ein „Computernerd" kann auch spritzig und sozial sein.

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Sie sind einer von rund 93.000 Mitarbeitern in einem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 70 Mrd. US-Dollar. Wie läuft ein gewöhnlicher Arbeitstag bei Microsoft ab?

Einen „normalen Arbeitstag“ gibt es hier nicht – weder fixe Arbeitszeiten, noch Stempeluhren. Vielmehr wird bei Microsoft nach der Leistung gemessen. Oft sitze ich schon um sieben Uhr Früh im Büro, manchmal trudle ich erst gegen elf Uhr ein. Der Tag beginnt mit Meetings, bei denen ich mit Entwicklern und anderen Kollegen über den aktuellen Projektstand berate. Dann gehe ich mit Programmierern und Testern Softwaredesigns durch oder treffe Kunden, um mir deren Wünsche und Anforderungen anzuhören. An anderen Tagen entwickle ich Prototypen für neue Ideen.

Vom Student an der Technischen Universität in Wien zum Programm Manager bei Microsoft in Redmond. Wie schafften Sie den Sprung in das Software-Imperium?

Als Microsoft „.NET“ veröffentlichte (eine Software-Plattform für Anwendungsprogramme), habe ich Bibliotheken für Entwickler programmiert. Davon war die Community so begeistert, dass mich ein Microsoftmitarbeiter kontaktierte und mich zu einem Interview einlud. Ich lehnte vorerst einmal ab, weil ich gerade noch mitten in meinem Bachelorstudium steckte. Stattdessen wurde ich im „Microsoft Student Partner Netzwerk“ aktiv, wofür ich an der Uni in Wien Vorträge zu Microsoftprodukten hielt oder Roadshows organisierte. Im Sommer 2009 machte ich in Redmond ein Praktikum. Dabei bot mir Microsoft einen fixen Job an. Dass ich noch ein Jahr zum Abschluss meines Studiums brauchte, war kein Problem und so nahm ich an.

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Was kennzeichnet Ihre Branche und worauf kommt es als Softwareentwickler an?

Als Softwareentwickler kommt es in meiner Branche darauf an, sehr schnell auf Änderungen zu reagieren und sich ständig fortzubilden. Innerhalb von fünf Jahren ändert sich das Bild in der Softwarebranche total. Deshalb ist es wichtig, sich stets neu zu erfinden und nicht dem Trend hinterherzuhinken, sondern immer an vorderster Front mitzumischen.

Inwieweit trifft, ihrer Meinung nach, das Klischee des „Computernerds“, individualistisch, eigenbrötlerisch und verschroben zu sein, auf Ihr Berufsbild zu?

Nicht zu 100 Prozent! Es gibt schon einige, die extrem in ihrer Arbeit versinken. Die meisten Leute, die ich hier kennengelernt habe, sind aber sehr sozial. Nach der Arbeit geht man auch mal gerne was trinken oder unternimmt am Wochenende gemeinsam was.

Sie sind Experte was innovative Technologien im Cloudbereich betrifft. Zur Entwicklung des Windows Betriebssystem für „Cloud Computing“ haben Sie wesentlich beigetragen. Was dürfen wir uns unter diesem Konzept genau vorstellen und was ist dabei Ihr Aufgabenbereich?

Unter „Cloudcomputing“ versteht man die Auslagerung von Rechenleistung vom eigenen Datencenter in ein Datencenter, welches von einem Dienstleister – in unserem Fall Microsoft – angeboten wird. Zusammen mit meinem Manager habe ich ein Projekt gestartet, welches Kunden ermöglicht, ihre Daten in der „Cloud“ auch an Dritte zu verkaufen oder Daten von verschiedenen Anbietern zu kaufen. Anfangs entwickelte ich für diesen „Windows Azure DataMarket“ Prototypen und erste Vorschauversionen. Später kümmerte ich mich mehr um das Design und bin in der Welt herumgereist, um über die „Microsoft Cloud“ zu referieren. Seit mehreren Monaten arbeite ich an einer neuen Lösung – mehr kann ich dazu leider noch nicht verraten.

 

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Welche Vor- und Nachteile bringt diese abstrahierte IT-Infrastruktur (zukünftig) mit sich?

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: die Kosten für die Unternehmen sinken dramatisch, globale Lösungen können extrem günstig entwickelt werden. Rechenleistung und Speicherplatz sind immer da und man zahlt nur das, was man benötigt. Natürlich gibt es Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Datensicherheit. Aber schaut man sich die gesamten Wikileaks an, waren die Daten dort lokal gespeichert und Hacker konnten Zugriff darauf gewinnen. Microsoft setzt die neuesten Datenschutzrichtlinien und die strengsten Bestimmungen hierzu um. Ein Beispiel dafür ist ein Service, womit Daten auf dem Weg in die „Cloud“ verschlüsselt und beim Herunterladen wieder entschlüsselt werden können.


Wie wichtig ist Ihnen Freizeit und womit können Sie am besten Ihre Batterien aufladen?

Sehr wichtig! Aber meine Arbeit finde ich größtenteils so spannend, dass es mir nichts ausmacht, wenn ich weniger Freizeit habe. Bei neuen Projekten sind alle so begeistert, dass ich das Gefühl habe, mich während der Arbeit „aufzuladen“. Nehme ich mir aber dann mal Auszeit, fahre ich irgendwohin, wo ich die Seele baumeln lassen kann – etwa nach Hause, nach Südtirol.

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Was war die größte Herausforderung für einen Brixner in Amerika und was sollte jeder/e vorher wissen, der/die eine Karriere in Übersee einschlagen möchte?

Das Schwierigste hier ist sicher die Sprache. Als ich noch in der Schule war, hatten wir nur sehr wenig Englisch. Mein Rat für alle potenziellen Auswanderer: Schaut euch Filme in englischer Sprache an ­– vielleicht mit deutschem Untertitel! Man könnte sich denken, dass die Kultur auch eine Herausforderung ist. Ich hatte damit keine Probleme. Das hängt auch ein bisschen damit zusammen, dass Microsoft ziemlich multikulti ist und die nächstgelegene Stadt, Seattle, ziemlich weltoffen ist.

Was wünschen Sie sich für Ihre (berufliche) Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es so weitergeht wie bisher und dass ich gesund bleibe.


Alexandra Hawlin

 

 

 

 




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