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Nach neuen Identitäten suchen, ohne alte zu verlieren

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In den letzten zwei Jahrzehnten hat die „Generation Y“,die digitale Vernetzung global vorangetrieben und dadurch unzählige Barrieren unserer Gesellschaft durchbrochen, sowie neue Identitätsmodelle kreiert. Politische Systeme wurden gestürzt, neue ökonomische Modelle und Unterhaltungsmethoden formuliert und der Zugang zu Wissen wurde demokratisiert. 



Einzelne Individuen und Gesellschaften wurden mit neuen Möglichkeiten, andere mit der harten Realität konfrontiert. Vor allem aber hat der technologische Fortschritt jene Regionen beeinflusst, die langsam oder gar nicht vom vorangegangen Zeitalter der Industrialisierung profitiert hatten. So hilft eine Smartphone App indischen Fischern dabei, die Arbeitsläufe und Ausbeute zu verbessern, und mögliche Gefahren schneller zu erkennen.

Die Vorherrschaft der englischen Sprache erlangte durch die Verbreitung des Computers noch größere Bedeutung. Vor kurzem wurde in den ladinischen Grundschulen Englisch-Unterricht eingeführt, während gleichzeitig an einer Vereinfachung der ladinischen Schreibweise gearbeitet wird. Das sorgt vor allem bei der älteren Bevölkerung für Irritationen. Der Siegeszug der Technologie hat Auswirkungen auf Bildungssystem und Sprache – und damit letztlich auf Identität.

Trotz dieser Revolutionen gibt es aber immer noch physikalische Gesetze, die man nicht verändern kann. Die Erde dreht sich immer noch mit der gleichen Geschwindigkeit, Ernährung ist immer noch eine physische Aktivität, die Natur eine mit bloßen Augen am besten wahrnehmbare Schönheit und die Vergangenheit eines Landes ist nicht nachträglich digital manipulierbar. 

Vielleicht liegen in diesen Bedingungen die wahren Ressourcen zu vergessenen Identitäten? Im Gegensatz zu jungen, kulturell und geschichtlich unterentwickelten Ländern, tun sich jene mit einer homogenen, komplexen und facettenreichen Geschichte oft sehr schwer, eine neue Identität hervorzubringen. Der geschichtliche Einfluss wiegt dabei schwerer als das Weiterentwicklungspotential. 

Jene, die korrekterweise ein Zusammenleben verschiedener Identitäten als Reichtum bezeichnen, sollen immer weiter nach neuen Identitäten suchen, ohne dabei die alten zu verlieren. Ein Großteil Südtirols junger Generation scheint dies verstanden zu haben. 


Dumëne Comploi lebt seit 5 Jahren in Los Angeles und ist dort als Creative Designer für Walt Disney Imagineering tätig. Der 31jährige hat in Wien und Los Angeles Architektur studiert, und sein Studium an der University of California in Los Angeles mit Auszeichnung abgeschlossen.

Beitrag Nr. 5 aus der Reihe "Identität"