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„Das Gefühl? Ehrfurcht!“

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Der aus Neumarkt stammende Peter Werth kreuzt derzeit als General Manager an Bord der AIDAmar durch die Karibik, Mittel- und Südamerika. Im Südstern-Interview spricht er über den Trend zu immer größeren Kreuzfahrtschiffen, den Tagesablauf an Bord und das friedliche Miteinander zwischen Crew-Mitgliedern aus 50 verschiedenen Nationen.




Herr Werth, welches Bild haben Sie bei dem Wort „Transpazifik“ als erstes vor Augen?

Es ist mehr ein Gefühl als ein Bild. Das Gefühl? Ehrfurcht! Wenn man auf einer Transpazifik- oder Transatlantik-Kreuzfahrt sich nach 3 Tagen auf See an die Reling stellt mit dem Wissen, dass man 3 Tage Fahrt in alle Himmelsrichtungen benötigen würde, um festen Boden zu erreichen, kommt man sich auf einmal doch sehr klein vor und das, obwohl man auf einem so großen Schiff unterwegs ist.


Sie waren Clubdirektor und Entertainment Manager an Bord der AIDAmar, ein Kreuzfahrtschiff mit einer zugelassenen Passagierzahl von über 2500: Schauen Sie manchmal mit Wehmut auf diese Zeit zurück?

Ich war zehn Jahre an Bord der AIDA Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs, die letzten 5 Jahre als General Manager. Ende 2012 habe ich die sogenannten Segel gestrichen und bin in die Landhotellerie zurückgekehrt. Die Sehnsucht bzw. Wehmut war immer irgendwie da, wohl so stark, dass ich derzeit wieder an Bord der AIDAmar als General Manger durch die Karibik, Mittel- und Südamerika kreuze. Mein derzeitiger Beruf an Land als Hotel Direktor am Lago Maggiore erlaubt es mir einen Kurzeinsatz von drei Monaten an Bord zu absolvieren.


Wie kann man sich den Tagesablauf an Bord vorstellen? Wie seefest muss man sein?

Da man mit dem Schiff fast jeden Tag in einem anderen Hafen liegt, ist auch der Tagesablauf immer ein anderer. In der Regel besteht aber der Tag aus vielen Meetings, um diese schwimmende Kleinstadt zu organisieren: Auftritte oder Moderationen auf der Bühne, aber auch sehr viele Sicherheitstrainings, da man als General Manager an Bord in der kompletten Verantwortung für die Evakuierung der 2.700 Passagiere und 640 Crewmitglieder steht.

Seefest muss man in der Regel eigentlich nicht sonderlich sein. Sicherlich gibt es aber Gebiete wie das Kap Horn in Südamerika oder die Strecke von Grönland nach Kanada wo bei einem Wellengang von bis zu 10 Metern auch so ein großes Schiff ganz schön ins Schwanken kommt. Aber im Regelfall sind die Schiffe immer auf der Sonnenseite der Weltkugel unterwegs. 




Was bedeutet es für die Infrastruktur einer kleinen Stadt, wenn kurzzeitig so ein schwimmendes Hochhaus anlegt?

Es ist in der Tat teilweise wirklich so, dass insbesondere auf kleinen karibischen Inseln, wenn bis zu 8 Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig anlegen, diese Inseln leicht überfordert sind. Auf der anderen Seite kurbelt es die jeweilige Wirtschaft an, da Tausende Kreuzfahrer mit organisierten Landausflügen die Städte oder Inseln besuchen und Souvenirs kaufen.


In welchen Bereichen sehen Sie die größten Unterschiede zwischen der klassischen Ferienhotellerie und der Kreuzfahrt?

Für den Gast definitiv die Abwechslung. Jeden Morgen wechselt bei einer Kreuzfahrt das Panorama beim Blick aus dem Fenster. AIDA Schiffe haben beispielsweise 12 Bars, 8 Restaurants, ein bordeigenes Brauhaus, Casino, mehrere Shops und ein großes Theater wo tagtäglich bis zu 3 Shows gezeigt werden.


Der Trend zu immer größeren Kreuzfahrtschiffen scheint sich auch in Zukunft fortzusetzen- immer größer, immer besser? Geht damit auch eine größere Berufsvielfalt an Bord einher?

In der Tat werden die Schiffe von Jahr zu Jahr immer größer, moderner und innovativer. Dieser Trend wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft fortsetzen. Auf den Schiffen der letzten Generation von AIDA gibt es beispielsweise ein bordeigenes Brauhaus mit jeweils einem eigenen Braumeister: Demnach gibt es in der Tat auch mehr Berufsvielfalt an Bord von größeren Kreuzfahrtschiffen.


Knapp 2 Millionen Deutsche unternehmen jährlich eine Kreuzfahrt- Tendenz steigend. Glauben Sie, dass sich dieser Trend auch in Schwellenländern fortsetzen wird? 

Vor noch 15-20 Jahren war die Kreuzfahrt eigentlich nur einem sehr wohlhabenden Publikum zugänglich. Dies hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert und Kreuzfahrtschiffe sprechen mittlerweile ein sehr viel breiteres Publikum an. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Im Gegenteil: In ein paar Jahren kann sich dieser Trend durchaus auch in Schwellenländer fortsetzen. 


Welche unterschiedlichen Ansprüche könnten diese neuen Märkte an Reedereien stellen? 

Auch wenn man China nicht als Schwellenland bezeichnen kann, erlebt der Kreuzfahrtmarkt dort derzeit einen wahren Boom. Deshalb wird auch ein AIDA Schiff im Jahr  2017 erstmals ganzjährig in China eingesetzt. Um diesem Markt gerecht zu werden, wird das Schiff im Vorfeld umgebaut: Konkret heißt das in diesem Fall mehr Casinos und Shops.




Kreuzfahrt-Mitarbeiter kommen aus aller Herren Länder: Wie nehmen Sie die kulturelle und sprachliche Vielfalt an Bord wahr? 

An Bord haben wir in der Regel Crewmitglieder aus 35-50 verschiedenen Nationen. Auch nahezu alle Religionen dieser Welt sind vertreten. Dieser bunte Mix aus Nationalitäten war für mich immer absolut faszinierend. Hinsichtlich der verschiedenen Religionen wird keiner einzelnen Religion eine größere Gewichtung gegeben. Dies führt stets zu einem sehr friedvollen Miteinander. Ich denke, die ganze Welt könnte sich daran ein Beispiel nehmen.


Kreuzfahrt-Passagiere müssen meist zusätzlich ein obligatorisches Service-Entgelt an Bord bezahlen: Warum können die Servicegebühren nicht vorab in den Reisepreis eingerechnet werden?

Dies ist von Reederei zu Reederei unterschiedlich, allerdings ist bei AIDACruises das Service-Entgelt bereits im Reisepreis inkludiert.


Was lieben, was hassen Sie am Südtiroler in Ihnen?

Im Ausland war es mir immer ein großer Vorteil, zweisprachig aufgewachsen zu sein und die Einflüsse von zwei so unterschiedlichen Kulturen mit auf den Weg bekommen zu haben.


Was wünschen Sie sich am meisten für Südtirol?

Für Südtirol wünsche ich mir, dass es nie seine Authentizität und Gastfreundschaft verliert, auf die ich regelmäßig weltweit angesprochen werde. 


Interview: Alexander Walzl