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Ich wollte mit den "Big Boys" spielen und dann wieder zurückkehren.

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Der Bozner Clemens R. Scherzer (42) ist "Director, Laboratory for Neurogenomics, Brigham and Women's Hospital, Co-Director, Harvard NeuroDiscovery Center Biomarker Program und Assistant Professor of Neurology an der Harvard Medical School. Im Süds...

Der Bozner Clemens R. Scherzer (42) ist "und Assistant Professor of Neurology an der Harvard Medical School. Im Südstern Interview erzählt er uns unter anderem was "Biomarker" sind und was er von der Südtiroler Forschungslandschaft hält.

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Sie haben in Wien Medizin studiert. Wie kam es zum Sprung in die USA?

Ich wollte mit den “Big Boys” in den USA spielen und dann wieder nach Wien zurückkehren. Nach meinem Forschungsaufenthalt am Massachusetts General Hospital hatte ich jedoch das Glück, eine Facharzt-Ausbildungsstelle in den USA angeboten zu bekommen. Es war eine unglaubliche Chance, meine Ausbildung zum Facharzt der Neurologie an der renommierten Emory University machen zu dürfen. Ich wurde dann an die Harvard Medical School berufen, wo ich im Jahr 2004 das Laboratory for Neurogenomics gründete.

Was war ausschlaggebend dafür, im Bereich der Neurowissenschaften zu arbeiten?

Wie kann eine Masse von Neuronen es schaffen zu denken? Wie können Neuronen freien Willen erzeugen? Wie sind Erinnerungen möglich? Das menschliche Gehirn ist das faszinierendste Wunderwerk der Natur.

Sie haben sich für eine wissenschaftliche Tätigkeit und nicht für Patientenversorgung entschieden - warum?

Ich mache beides. In meiner wissenschaftlichen Tätigkeit leite ich als Principal Investigator mein Forschungslabor, the Laboratory for Neurogenomics, und bin Co-Direktor des Biomarker Program am Harvard NeuroDiscovery Center. In meiner klinischen Tätigkeit bin ich Oberarzt und Parkinson Spezialist an den zwei größten Krankenhäusern der Harvard Medical School, Brigham & Women’s Hospital und MGH (es heißt scherzhaft, die Abkürzung stehe für “Menkind’s Greatest Hospital”). Ich helfe Parkinson Patienten und Patienten mit neurodegenerativen Bewegungsstörungen.

Sie arbeiten unter anderem mit "Biomarkern" - was kann man sich darunter
vorstellen?

Unser Ziel ist “cause and cure” der Parkinson Krankheit. Wir benützen "transcriptomics" um Krankheitsgene, Targets für neue Medikamente, und Biomarkers zu entdecken. Biomarkers sind ganz einfach neue medizinische Tests. Um Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer zu heilen, brauchen wir neue Biomarkers um die Krankheiten im Anfangsstadium zu diagnostizieren - bevor es zu spät ist und der Schaden zu groß ist - kombiniert mit neuen Medikamente, die den Krankheitsprozess stoppen.

 

Scherzer

 

"Clemens Scherzer on cutting edge Parkinson's Research" - EarthSky Interview.

Hat man als Forscher in den USA bessere Möglichkeiten als in Europa?

Die Forschungsbedingungen in Boston sind unglaublich. Mein Labor is in der gleichen Strasse wie die Global Research Headquarters des Pharmariesen Novartis. Das Massachusetts Institute of Technology und das Broad Institute sind um die Ecke. Bahnbrechende Technologien, die die Zukunft der Medizin verändern werden, wurden hier entwickelt: synthetic biology, nanomedicine, reprogrammieren von Hautzellen als Stammzellen, next-generation sequencing technologies, usw. In der biomedizinischen Forschung sind die USA tatsächlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Was würden Sie einem jungen Südtiroler Medizinabsolventen raten, der den Sprung über den großen Teich wagen will?

Wo ein Wille ist, da ist ein Weg.

Bei Südstern gibt es seit einigen Monaten einen "Planeten Medizin". Was erwarten Sie sich von einer Vernetzung medizinisch tätiger Südtiroler im Ausland?

Bessere Information, Kontakte, und Zusammenarbeit.

Haben Sie Kollaborationen mit medizinischen Institutionen in Südtirol?

Zur Zeit haben wir keine Projekte in Südtirol.

In Südtirol fließt derzeit viel Geld in den Ausbau der Forschung und eine Medical School ist in Planung - wo sehen Sie Stärken und Schwächen der Südtiroler Forschungslandschaft?

Die Entwicklungen in Südtirol sind wirklich bemerkenswert, von Uni Bozen bis EURAC. Ich könnte mir eine kleine, aber feine, auf Lehre spezialisierte, durchorganisierte Südtiroler Medical School vorstellen, die das beste vom angelsächsischem System - ausgezeichnete Ausbildung in den “clinical skills”, kleine Klassen, Meritokratie - mit detaillierter europäischer Wissensvermittlung verbindet. So eine massgeschneiderte, schlagkräftige Institution könnte sich von historischen Massenuniversitaeten und ihren Problemen abheben. Biomedizinische Forschung könnte sich im Umfeld weiterentwickeln - die Zukunft wird zeigen, ob die nötige kritische Masse besteht. Man muss das realistisch verfolgen, da es viel Konkurrenz gibt. Viele Orte und Länder versuchen, neue Forschungs- und Biotech-Hubs auf die Füße zu stellen, von Südkorea, China, und Indien bis Singapore.

Haben Sie noch regen Kontakt zu Südtirol?

Bin gerade von einem zweiwöchigen Urlaub am Ritten wieder nach Boston zurückgekehrt. Freundschafts- und Familienverbindungen bleiben immer bestehen.

Was vermissen Sie am meisten aus Ihrem Heimatort?

Am Berg zu stehen mit nur dem Himmel überm Kopf und der Welt zu meinen Füßen.

 




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