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Sharing Economy (1) - "Teilen kann lustvoll sein"

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Besitz beruhigt! Besitz bedeutet finanzielle Absicherung, bringt Macht und Ansehen. Er gibt Orientierung im sozialen Wettstreit der Eitelkeiten, im Streben nach Identifikation und auf der Suche nach dem zur Schau gestellten Selbstbild.


Dazu kommt, dass „Geiz geil“ sein soll. Geiz mag neben Neid die Todsünde mit dem schlechtesten Image sein. Geiz ist jedoch die Triebkraft für Besitz. Mehr zu haben als andere wird auch häufig damit verwechselt, mehr und besser zu sein als andere.


Was soll also der Hype ums „Sharing“? Das Auto teilen, den Garten teilen, Bücher teilen, die Couch oder gar die Wohnung teilen... Gefährdet das Versprechen, durch Tausch und Teilen Glück zu erlangen gar das Wirtschaftswachstum?


Teilen kann lustvoll sein! Das Geschäftskonzept "Sharing economy" ist nicht nur ein Lifestyle-Trend derer, die erkennen, dass angehäufte Regale Ballast bedeuten, stillstehende Autos Kosten und Mühe verursachen, Wohnungsteilung sozial bereichernd und die gemeinsame Pflege des Gartens entspannend sein kann. "Sharing Economy" heißt auch einsehen, dass nicht das Horten von CDs, sondern das Hören von Musik glücklich macht. "Sharing Economy" ist die revolutionäre Erkenntnis, dass beispielsweise die Produktion stillstehender Autos (und die meisten Autos stehen meistens still) kein sinnvolles Motiv für Arbeit ist. Wir müssen aus der Tretmühle heraus, die Wachstum um jeden Preis zum Götzen erkoren hat.


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Ein Text von Erich Kirchler



Erich Kirchler ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Universität Wien und Vorstand des Instituts für Angewandte Psychologie: Arbeit, Bildung, Wirtschaft. Im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit stehen darüber hinaus die Steuerpsychologie und das Geldmanagement in privaten Haushalten. Kirchler stammt aus Sand in Taufers und lebt seit über 30 Jahren im Ausland.