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Ein Forscher muss neugierig sein

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Wenn Petra Massoner von ihrem beruflichen Weg erzählt, ist Begeisterung in jedem Satz zu spüren. Beim Südstern Health & Science Forum 2019 geht die 39-Jährige auf aktuelle Entwicklungen in der medizinischen Forschung ein, sei es an der Universität als auch in der Industrie. Südstern hat mit der Wissenschaftlerin vorab gesprochen: über die Rückkehr nach Südtirol, die Entwicklung des Landes in puncto Forschung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.


Südstern: Sie sind Biologin mit einer Leidenschaft für Wissenschaft. War immer schon klar, dass Sie in die Forschung gehen?


Petra Massoner: Als ich ein kleines Mädchen war, wollte ich zur Nasa oder irgendwas mit Quantenphysik machen. Also die Forschung hatte ich wohl schon immer im Blick. Innsbruck war dann doch näher (lacht). Ich bin nach meinem Studium gleich an der Universität geblieben. Zehn Jahre habe ich insgesamt an der Universität geforscht und mich dabei mit Leidenschaft austoben dürfen. Ich hatte immer Chefs, die mich voll unterstützt haben, das ist nicht selbstverständlich.




Sie haben im Laufe der Zeit Forschungsgelder in Höhe von einer halben Million Euro bewilligt bekommen. Das ist mehr als beachtlich.


In Österreich liegt die Bewilligungsquote bei 20 Prozent, deshalb habe ich in diesem Bereich wirklich viel Glück gehabt. Jeder denkt, dass ein Forscher nur im Labor steht. Aber es gehört auch viel Bürokratie dazu, Anträge schreiben ist eine Wissenschaft für sich. Als Forscher soll man sich bewegen, und zum Glück gibt es tolle Programme in vielen europäischen Ländern, die dies ermöglichen. Ich habe um Stipendien angesucht und konnte dann an anderen Unis arbeiten, zum Beispiel an der LMU in München. Während meiner Zeit in München habe ich viel von Roche gehört, einem der Big Player in der weltweiten Pharmaindustrie und Weltmarktführer in klinischer Diagnostik. Da ich immer schon in die Industrie hineinschnuppern wollte, habe ich mich auf ein Stipendium für Forschung in der Industrie beworben.


Von der Universität in die Industrie: ein spannender Gegensatz?


Als Forscher muss man neugierig sein, ansonsten ist man fehl am Platz. Ich wollte wissen, wie medizinische Forschung in der Industrie betrieben wird. Und genau in diesen zwei Jahren bei Roche habe ich für mich erkannt, dass ich mich in der Industrie noch mehr Zuhause fühle.


Warum?


Die Forschung in der Industrie ist anwendungsorientierter: Das Ziel ist, ein Produkt zu entwickeln. Natürlich gilt an der Universität auch, dass durch die Forschung Menschen geholfen wird, trotzdem ist man von einem Medikament noch sehr weit weg. Das soll aber nicht heißen, dass es die Universitätsforschung nicht braucht, im Gegenteil: Die Industrie könnte die ganzen Forschungen, die an der Uni betrieben wären, gar nicht finanzieren und greift oft auf deren Expertisen zurück. Für mich selbst ist am Ende das Konkretere einfach spannender.


Seit Anfang des Jahres sind Sie zurück in Südtirol. Südtirol und Forschung, wie passt das zusammen?


Sehr gut, wie ich selbst erstaunt festgestellt habe. In den vergangenen Jahren hat sich die Forschungslandschaft toll entwickelt. Es gibt den Noi Techpark, die Eurac, die Uni Bozen und viele weitere ansprechende Forschungsmöglichkeiten. Ich selbst wollte bei einer Firma arbeiten, die weltweit tätig ist. Internationale Zusammenarbeit und Kommunikation hat mir immer sehr gefallen, und das wollte ich mir bewahren. Meine Stelle bei Loacker ist wie auf mich zugeschnitten. Seit ein paar Wochen habe ich das Portfoliomanagement für Forschungsprojekte übernommen und betreue als Leiterin mehrere davon.


Bei Loacker denkt man in erster Linie an Kekse, wie sieht Forschung bei einem Süßwarenhersteller aus?


Wenn wir ein neues Produkt entwickeln, dann ist das für uns Daily Business. Ein Forschungsprojekt hat einen größeren, innovativen Wert. Da wären zum Beispiel Projekte in Zusammenarbeit mit Universitäten oder industrielle Forschung mit anderen mittelständischen Unternehmen aus Deutschland. Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit natürlichen, innovativen Rohstoffen, dem Gesündermachen von Süßwarenprodukten und dem Entwickeln von nachhaltigen Verpackungskonzepten. Viele Südtiroler wissen nicht, welche hohen Qualitätsstandards Loacker hat. Wir haben teilweise so hohe Anforderungen an Rohmaterialien, dass es oft gar nicht einfach ist, passende Lieferanten zu finden.


Es heißt, bei Loacker stehen überall Kekse herum. Greifen Sie auch gerne zu?


Es gibt Leute, die arbeiten seit 30 Jahren bei Loacker und lieben die Kekse immer noch. Man isst sich also wirklich nicht ab.


Sie waren international als Forscherin tätig: Warum der Schritt zurück nach Südtirol?


Das war eine rein private Entscheidung. Mein Mann und ich haben zwei kleine Kinder. Als unser Sohn ins Kindergartenalter kam, wollten wir für uns festlegen, wo die Kinder aufwachsen sollen. Und wir haben uns für das ländliche Umfeld am Schnittpunkt zweier Kulturen entschieden, mit Großeltern im Hintergrund, die uns unterstützen. Dass wir beide tolle Jobs hier gefunden haben, hat die Rückkehr natürlich enorm erleichtert.


Ist eine Frau in der Forschung eine Ausnahmeerscheinung?


Wenn man sich die Studentenzahlen anschaut, dann auf keinen Fall: Denn dort liegt der Frauenanteil bei der Hälfte. In der medizinischen Forschung arbeiten also viele Frauen. Der Knackpunkt ist die Familiengründung, weil es ab dem Moment schwierig wird, zeitlich flexibel zu bleiben, und das geht leider oft auf Kosten der beruflichen Perspektive. Wir haben es damals so gelöst, dass sowohl mein Mann und dann auch ich jeweils ein Jahr die Betreuung übernommen haben. Bei Roche zum Beispiel gab es Eltern-Kind-Büros, einen Hort, Tagesmütterbetreuung, also große Unterstützung bei der Kinderbetreuung.


Ist Loacker familienfreundlich?


Mein Chef Andreas Loacker hat mir eine tolle Position mit Führungsverantwortung in Teilzeit ermöglicht und gleichzeitig Gleitzeit und totale Flexibilität zugesagt. Ich kann von zu Hause aus arbeiten, wenn die Kinder krank sind und Zeitausgleich nehmen, das ist ein großer Vorteil. Wenn ein Unternehmen die Bereitschaft hat, Familien entgegenzukommen, dann ist vieles möglich.


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Termin:


31. Oktober 2019, ab 14:00 Uhr

Südstern Health and Science Forum 2019

Claudiana Bozen


Alle Infos und Anmeldung unter: https://www.planetmedizin.com/