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Porträt: Claudia Martello

Montag, 09.12.2019



Absolute Spitze: Südstern Claudia Martello gehört zu den Top-50-Frauen im Product Management in Europa. In unserem Job-Protokoll erzählt die 40-jährige Managerin von ihrer Arbeit beim Schweizer Kreditkartenunternehmen Swisscard und warum ihr der Leistungssport dabei geholfen hat, Herausforderungen in Beruf und Privatleben besser meistern zu können.


“Mein erstes Gefühl als ich von der Nominierung via LinkedIn erfahren habe? Pure Freude! Zu den Top-50-Frauen im Product Management in Europa zu gehören macht mich unglaublich stolz und erkennt meine langjährige Arbeit auch außerhalb des eigenen Unternehmens an. Viele Studien belegen, dass Frauen die eigene Arbeit bei gleicher Leistung schlechter bewerten als ihre männlichen Kollegen und auch weniger oft damit „werben“. Für Frauen bedeutet das einen Karrierenachteil. So eine Auszeichnung hilft, die eigene Leistung bekannt zu machen und darüber zu sprechen. 


Mein Spezialgebiet liegt in der Entwicklung von Wachstumsstrategien und neuen Business Modellen, die  auf einer werte-basierten Kundesegmentierung aufbauen und versuchen, die Bedürfnisse der Kunden optimal mit den Bedürfnissen des Unternehmens abzustimmen. Ich bin regelmäßig auf Kongressen und gebe mein Wissen in Kursen von Fachhochschulen weiter. Ständige Weiterentwicklung treibt mich an: Neuerdings verknüpfen wir Artificial Intelligence Datenanaylsen mit der werte-basierten Segmentierung und erhöhen dadurch die Qualität unserer Ergebnisse. 


In Zürich bin ich Mitglied eines Product Management Executives Circles, einer Gruppe von etwa 30 Top Managern im Produktmanagement, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Qualität des Product Managements weiterzuentwickeln. Wir treffen uns in regelmäßigen Abständen und diskutieren unter anderem über Teamsetups, Methoden zur Entwicklung von Wachstumsstrategien oder Digitalisierungsstrategien und Diversity Themen. Wir sind nur drei Frauen in der Gruppe, was einmal mehr zeigt, dass es da noch großen Aufholbedarf gibt. 


Wirtschaft war schon immer mein Ding; ursprünglich wollte ich Sportmanagement studieren. Ich habe in Wien an der Wirtschaftsuniversität Handelswissenschaften studiert und einen Master in International Management an der Universitá Commerciale Luigi Bocconi absolviert. Mein Einstieg in die Berufswelt erfolgte über eine Unternehmensberatung in Wien, die vor allem auf Wachstumsprojekte spezialisiert war. Es handelte sich um eine kleine Boutique geführt von ehemaligen Partnern von namhaften Beratungsunternehmen wie Roland Berger und A.T.Kearney. Dort durfte ich meine ersten Projekte direkt mit den Partnern betreuen und konnte mir das Handwerk von ihnen abschauen. Damals habe ich mich vor allem um die Bereiche Strategie, Produktmanagement, CRM und Sales gekümmert, was mir schlussendlich den Weg in das Produktmanagement geöffnet hat. 


2007 bot mir eine Managerin, bei der ich als Beraterin ein Projekt geleitet hatte, eine Stelle in Zürich an: als Leiterin der Prepaid Produktmanagements bei Sunrise, dem zweitgrößten Telekommunikationsanbieter des Landes. Gleichzeitig spielte ich mit Allensbach gleich an der Deutsch-Schweizer Grenze in der zweiten deutschen Bundesliga Handball. Das war ein sehr herausforderndes Jahr. Das Training war intensiv, die Spiele herausfordernd, das regelmäßige Pendeln zum Training und am Wochenende zu den Spielen in Städte wie Dresden oder Trier kräftezehrend. Gleichzeitig musste ich im Job ein völlig neues Team aufbauen und ein rückläufiges Produkt wieder zum Wachsen bringen. 


Im Herbst 2011 wurde ich von einem Headhunter auf eine interessante Entwicklungsmöglichkeit aufmerksam gemacht, nämlich die Verantwortung über ein großes Produktportfolio im Bereich Financial Services von Swisscard zu übernehmen. Das Angebot klang spannend und war für mich der perfekte nächste Schritt: Ich konnte viel von dem Wissen und Knowhow, was ich in der Beratung und im Telekommarkt gelernt hatte, mit einbringen, und auch hier haben wir einen erfolgreichen Turn-around des Produktmanagements geschafft.  Ich bin bei Swisscard mit dem Auftrag gestartet, das Produktmanagement-Team in die treibende Kraft des Unternehmenswachstums umzuwandeln, und das habe ich erfolgreich geschafft. Nun bin ich bereits seit acht Jahren bei Swisscard und habe bis Mitte dieses Jahres das Produktmanagement geleitet. Im Moment bin ich damit beschäftigt, das Partner Development weiterzuentwickeln. Das Team habe ich Anfang September neu übernommen und wir sind gerade dabei, uns neu auszurichten. 


Ich lebe mit meinem Mann Ulrich Köllensperger und unseren beiden Kindern (4 und 2) in Zürich. Beruf und Familie weit weg von den Großeltern zu organisieren und koordinieren ist eine echte Herausforderung und benötigt viel Ausdauer, Kraft und Disziplin. Diese Kompetenzen habe ich mir in meiner Vergangenheit als Leistungssportlerin angeeignet. Seit der Jugend und bis zur Geburt von Maximilian habe ich zunächst Handball und dann Beachhandball auf internationalem Niveau gespielt. Gleichzeitig habe ich meine berufliche Karriere aufgebaut und entwickelt. Nicht einfach, aber möglich, wenn man daran glaubt! Nach Südtirol zurückzukommen ist mal mehr, mal weniger ein Thema. Insbesondere für unsere Kinder wünschen wir uns natürlich das Beste und fragen uns, wo und wie sie am Besten aufwachsen sollen. 


Ich beobachte den Arbeitsmarkt in Südtirol aus der Ferne, tausche mich ab und zu mit Headhuntern aus, eine passende Opportunität hat sich allerdings noch nicht ergeben. Inzwischen verbringen wir einen Großteil unserer Ferien in Südtirol, vor allem rund um Weihnachten, zu Ostern und im Sommer. Perfekt wäre ein Set-up, das es uns ermöglichen würde, einen ausgewogenen Teil unseres Lebens in der einen und in der anderen Welt zu verbringen. Eine passende Lösung dafür haben wir allerdings noch nicht gefunden.”



Tags

Produktmanagement
Schweiz
Swisscard

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