Südstern wird volljährig!

Samstag, 01.10.2022
Trommelwirbel. Fanfaren. Dreifaches Hurra! Happy birthday, Südstern! Heute wird der Verein volljährig. 18 Jahre – Grund genug, seine spannende Geschichte zu erzählen. Wer könnte das besser als Armin Hilpold, Hubi Rienzner, Hermann Winkler und Tom Mur? Sie haben ihre Liebe zum Netzwerken mit ihrem Baby „Südstern” verwirklicht und lassen im Interview Revue passieren. Ein Gespräch über Aufbruchstimmung, den Weltmeister im Luftgitarrespielen und die Garderobe als idealen Ort zum Netzwerken

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Südstern zu gründen?

ARMIN: Nach meinem Studium arbeitete ich zwei Jahre bei einer Investmentbank in London. In der letzten Arbeitswoche erfuhr ich über meine Eltern, dass ein anderer Bozner auch dort arbeitete und sein Büro nur in einer anderen Abteilung hatte. Da dachte ich mir: Schade, hättest du das mal vorher erfahren! Wieder zurück in Südtirol traf ich Christian Girardi, der später der erste Präsident von Südstern werden sollte, und wir tauschten uns sofort über die Idee aus, Südtirolerinnen und Südtiroler miteinander zu vernetzen. 

TOM: Wir standen damals alle am Anfang unseres Berufslebens, aber mit anderen geografischen Voraussetzungen. Armin kam gerade nach Südtirol zurück, ich ging ins Ausland. Ich hatte einen Job in Ingolstadt bekommen und kam bei Christian unter, bis ich eine Unterkunft fand. Da sponnen wir herum an der Idee eines Netzwerks. Dann kamen Hubi, Florian und Hermann dazu, und nach und nach war das Gründungsteam beisammen. 

 

Was war euer gemeinsamer Nenner?

TOM: Eine Plattform zu schaffen, die Südtiroler im Ausland miteinander verbindet – das war unser gemeinsames Ziel. 

ARMIN: Unser Ansatz war, das nicht nur digital zu machen, sondern auch physisch und dabei auf den besonderen Zusammenhalt unter Südtirolern zu setzen. 

HUBI: Das war ein spannender Moment. Damals gab es OpenBC, das jetzige Xing, das zu diesem Zeitpunkt viel weiter war als Linkedin und Facebook. Daran haben wir uns technologisch orientiert.

 

Wenn ihr davon erzählt, ist Begeisterung zu spüren. Wart ihr in Aufbruchstimmung?

HERMANN: Es war die Zeit, in der die großen Netzwerke entstanden sind, man spürte diese Dynamik. Wir hatten ein richtiges Start-up-Feeling und sagten uns, kommt, wir erobern die Welt! Eine Idee war, Südstern als Unternehmen aufzusetzen. Aber wir kamen schnell zu dem Schluss, dass wir den Vereinsweg gehen wollten, damit das Netzwerk lebendig und unabhängig bleibt und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt. Wir wollten verhindern, dass Südstern von Verbänden oder der Politik instrumentalisiert wird.

 

Ihr habt beschlossen, Serviceleistungen für Partnerunternehmen zu erbringen und so die Finanzierung des Vereins zu sichern. Wann sind die Partner ins Spiel gekommen?

TOM: In Fuschl am See mussten wir uns bald nach der Gründung zu einer Krisensitzung treffen. Wir hatten zu wenig Geld, um eine Online-Community aufzubauen. Unsere Seniors, so nennen wir die Mentoren, die den Verein mit uns gründeten, nahmen alle ein paar Hundert Euro in die Hand. Aber das reichte nicht, die Homepage an den Start zu bringen und die Entwicklung voranzutreiben. 

ARMIN: Wir hatten uns bewusst für das Vereinsmodell entschieden. Aber es konnte keines sein, wo alle Südsterne auch Vereinsmitglieder werden, da das bei hohen Mitgliederzahlen verwaltungstechnisch nicht umzusetzen ist und viele das gar nicht möchten. Mitgliedsbeiträge gab es deshalb nur von den wenigen Mitgliedern des Trägervereins. Also haben wir das Partnerprogramm gestartet. Uns war klar, dass wir den Unternehmen etwas bieten müssen, und das wollten wir mit der Jobplattform machen, also der Möglichkeit, Jobanzeigen online zu stellen. 

Mit Erfolg?

HERMANN: Ja. Die Stiftung Südtiroler Sparkasse war mithilfe von Reinhold Marsoner vom ersten Moment an unserer Seite. Und dann folgte relativ schnell ein kleiner Pool an Partnern, die uns zum größten Teil bis heute die Treue halten.

HUBI: Im Juni 2006 starteten wir, und im Oktober waren es bereits ein Dutzend Partner, die uns ihre Unterstützung zugesagt hatten.

HERMANN: Ohne die Partner würde es nicht gehen. Sie ermöglichen uns die gewünschte Unabhängigkeit. Auch wegen der Partner haben wir immer versucht, Südstern weiterzuentwickeln und attraktiver zu werden, etwa durch den Business Talk. Bei dieser Veranstaltung bringen wir bei Vorträgen und Diskussionen Südsterne mit spannenden Erfahrungen und unsere Partnerunternehmen zusammen – eine Bereicherung für beide Seiten. 

HUBI: Und dann das Jahresevent. Als die Teilnehmerzahl über 300 stieg, reifte die Idee, unsere Partner noch stärker einzubeziehen und das Event an deren Firmensitzen zu veranstalten. Die Südsterne lieben es, weil es ihnen ermöglicht, bei wichtigen lokalen Playern vor Ort zu sein. Und auch die Partner schätzen den Austausch. Jede Location ist anders und erzählt eine andere Geschichte. Bisher feierten wir im Thuniversum, bei Holz Pichler, im NOI Techpark, bei Athesia, Technoalpin, der Brauerei Forst, Salewa, der Kellerei Tramin, der Uni Bozen und bei Museion. Wir freuen uns, wenn Partner sagen: Kommt zu uns!

 

Das Jahresevent ist ein fester Termin im Südstern-Kalender. Welche Erinnerung habt ihr an die Anfänge?

TOM: Das erste Jahresevent fand auf der Haselburg statt. Das Schwierigste war in den ersten Jahren, mit wenig Geld ein unvergessliches Event auf die Beine zu stellen. Nicht zu vergessen, die ellenlange Tabelle von Armin mit der To-do-Liste. Er hatte den Zeitplan im Griff. Wenn der erste Newsletter zum Save-the-Date nicht im Juni rausging, dann meldete er sich schon. Heute können wir darüber herzlich lachen, aber damals haben wir uns viel Druck gemacht. Wir haben alles selbst gemacht in der Anfangszeit. Vom Branding bis zu den Veranstaltungen, und am Abend standen wir in der Garderobe und an der Kasse. 

HUBI: Das machen wir immer noch. Es ist immer wieder schön, viele Südsterne und Partner persönlich begrüßen zu können und ihnen am Ende unsere Goodie Bag zu überreichen. 

HERMANN: Beim ersten Event standen die Stühle noch ganz akkurat nebeneinander und wir mussten geradesitzen wie in der Kirche. 

TOM: Dafür hatten wir den Weltmeister im Luftgitarrespielen als Gast. Der war genial.

 

Was waren eure Highlights in den 15 Jahren?

TOM: Die jährliche Reise zum London-Event, die zu unserem Betriebsausflug geworden ist. Die hat Kurt Kuen immer organisiert. Er ist unser großer Südstern-Motor auf der Insel und ein Mitstreiter der ersten Stunde. Einmal feierten wir in London die erreichte Mitgliederzahl von 500 Südsternen, das hat uns wahnsinnig gefreut. 

ARMIN: Und die 48 Stunden, die wir 2010 in Shanghai verbracht haben. Da hat Hermann ein Südstern-China-Event zur damaligen Expo organisiert. Wir wollten unbedingt in den China-Pavillon. Aber die Schlange davor war unglaublich lang und man musste sich Monate vorher anmelden. Hermann hat uns dann aber doch irgendwie reingebracht. 

HERMANN: Die Tickets waren eigentlich ausverkauft. Aber ich habe die Südstern-Truppe einfach als ausländisches Kamerateam eingeschleust.

 

Photo: © Claudia Battisti, 2012 Jahresevent

 

Hat euch die Südstern-Erfahrung von Kommunikation und Eventorganisation in euren Berufen geholfen?

ARMIN: Auf jeden Fall. Wir haben alle andere Spezialisierungen mitgebracht und uns gerade deshalb ergänzt. Das hat sich dann auch bezahlt gemacht, als wir beruflich alle immer mehr eingespannt waren. Jeder hatte seine Aufgabe und wusste, was zu tun war. 

HERMANN: Wir haben am Anfang auch verrückte Sachen gemacht und uns ausprobiert. Einfach mal machen, auch das hat Südstern geprägt.

TOM: Südstern war lange wie ein Nebenjob. Telefonate am Abend und am Wochenende, Meetings, meine Frau konnte das Wort Südstern irgendwann nicht mehr hören. Wir haben viel gelernt, auch der Austausch mit den Seniors war wertvoll. Und dann das Netzwerk: Du lernst so viele interessante Menschen kennen, das ist die größte Bereicherung. Da ist diese gegenseitige Hilfsbereitschaft. Es war wichtig, über die Jahre zu lernen, was die Community ausmacht. Wir wollten immer zeigen, dass ein Netzwerk unabhängig und gesellig sein kann. Und wir wollten immer gute Gastgeber sein. 

ARMIN: Ich habe einen Beruf, in dem es viel um Zahlen und Strukturen geht. Südstern war viel Arbeit, das stimmt, aber zugleich eine willkommene Möglichkeit, ins kreative Arbeiten zu kommen.

HUBI: Es war wie eine Unternehmenssimulation. Jeder hatte seinen Bereich. Wir haben uns abgestimmt, hatten beschränkte Mittel zur Verfügung. Eine gute Schule. Und wir haben Krisenmanagement gelernt (lacht)

 

Krisen: gab es die?

HERMANN: Reinhold Marsoner hat immer gesagt, passt auf, jetzt seid ihr jung, aber wenn ihr später Familie habt und im Job mehr eingespannt seid, dann wird es schwieriger. Und so war es auch. Aber wir haben das gut gemeistert. Umso wichtiger ist es uns, junge Leute für Südstern zu begeistern und in die Gestaltung miteinzubinden.

 

Wie seht ihr Südstern heute? 

HERMANN: Als Ideenschmiede und Entwicklungslabor. Es heißt oft, die klugen Köpfe sollen nach Südtirol zurückgeholt werden. Aber das ist nicht unser Ansinnen. Wir wollen Südtiroler, die sich überall auf der Welt befinden, connecten. Sie finden schnell zusammen, wenn sie sich im Ausland treffen. Und es spricht nichts dagegen, das Knowhow aus dem Ausland für Südtirol zu nutzen, etwa, wenn wir tolle Vorträge oder Events organisieren. Es geht uns darum, das Bodenständige mit dem Weltoffenen zu verbinden. 

HUBI: Ich schätze den Kontakt mit Menschen, die etwas anderes machen als ich. Bei Südstern sitze ich beim Törggelen mit 20 Medizinern am Tisch oder quatsche mit einem Journalisten aus München beim Jahresevent. Das ist ein interessanter Erfahrungsaustausch, der funktioniert, weil dich etwas verbindet: die gemeinsame Herkunft. Und der Austausch klappt ganz unbefangen. 

TOM: Südstern kann Impulse geben. Manchmal ergeben sich auch berufliche Projekte daraus. Es kann Dinge ins Rollen bringen. 

ARMIN: Ins Ausland zu gehen ist immer gut. Egal wohin, egal für wie lange. Und da ist es schön zu wissen, dass du vor Ort jemanden kontaktieren kannst. Es steckt in der Südtiroler Natur zu helfen, wenn dich jemand um Rat fragt.

 

Wie hat sich das Netzwerk in den 15 Jahren entwickelt?

HUBI: Technisch hat sich natürlich viel getan. Alles ist schneller geworden. Die Erwartungen sind aber auch gestiegen, weil die Leute Erfahrung haben im Umgang mit sozialen Netzwerken. 

HERMANN: Südstern ist eine ganz starke Marke geworden. Christine Novakovic, die uns in der Startphase sehr unterstützt hat, hat uns das von Beginn an prophezeit. Damals erschien uns das wie ein frommer Wunsch. Es ist schön, dass wir der Kreativität, Energie und Fachkompetenz, die so viele Südtiroler haben, eine Bühne geben können. Ob beim Südtiroler Wirtschaftsforum, beim Business Talk, den Planeten-Veranstaltungen oder dem Jahresevent: Wir bringen Leute zusammen, die Spannendes zu erzählen haben und gern einen Beitrag leisten. Ich erinnere mich noch, wie ich 2020 in Frankfurt am Flughafen saß und ein Interview mit Robert Peroni in der „Zeit“ gelesen habe. Und dann sehe ich, dass er aus Südtirol kommt. Wir haben ihn kontaktiert und zwei Monate später war er Gastredner beim Jahresevent. 

 

Geschichten von Menschen erzählen, darum geht es bei Südstern von Anfang an. 

HERMANN: Das Spannende sind die Südsterne selbst, also die Mitglieder des Netzwerks und ihre Geschichten, wir nennen sie Storys. Die Mischung macht es aus. Da erzählt einmal die Tierärztin von ihrem Kampf für den Schutz der Nashörner, dann stellen wir das Start-up in Silicon Valley vor oder berichten vom Brotbackworkshop in Wien. Wir wollen diese unterschiedlichen Geschichten anbieten, und jeder kann sich aussuchen, was ihn inspiriert und weiterbringt.

 

Was ist euer Wunsch fürs Südstern-Jubiläum im Jahr 2034?

TOM: Dass wir ein Team von jungen Leuten haben, die das Netzwerk mit dem gleichen Herzblut vorantreiben, wie wir das bis jetzt gemacht haben. Die Idee ist stark genug, wenn das Team passt. Dann hat Südstern eine goldene Zukunft. 

ARMIN: Wie oft hört man die Frage: Bist du auch ein Südstern? Der Name des Netzwerks geht auf die Personen über, die Identifikation ist da. Eine Herausforderung wird sicher sein, unsere digitale Plattform im Verhältnis zu anderen Plattformen spannend zu halten. Der Erstkontakt passiert oft über suedstern.org, aber dann vernetzen sich die Leute über Facebook und Linkedin. Wir müssen attraktiv bleiben. Umso wichtiger sind die physischen Treffen, auf die wir von Anfang an gesetzt haben. Das unterscheidet uns von den Linkedins und Facebooks dieser Welt.

HUBI: Vieles wird von der Entwicklung der Arbeitswelt abhängen. Wir haben in den vergangenen Monaten gelernt, wie stark räumliche Distanz durch Videocalls reduziert wird. Die Bedeutung des Remote-Arbeitens wird noch wichtiger werden, genau wie Kooperationen zwischen Südtirolern. Vielleicht tun sich Südsterne zusammen und gründen Unternehmen. Es gibt viel Potenzial.

 

Und was euch betrifft ...?

HUBI: Vielleicht werden wir beim Jahresevent 2034 aus der Karibik zugeschaltet. Wobei, ich glaube eher, dass wir wieder an der Garderobe stehen werden …

HERMANN: 2004 ist Facebook gegründet worden, im selben Jahr wie Südstern. Man hat erst im Nachhinein verstanden, wie innovativ das war. Das wird in Zukunft wieder so sein, dass Südstern ganz vorn mit dabei ist. Bei welchen Trends genau, das wissen wir heute noch gar nicht. Wir sprechen aktuell nur stellvertretend für alle, die dieses Netzwerk mittragen oder ein Stück weit mitgetragen haben. Und in den nächsten Jahren wird es uns hoffentlich gelingen, das Netzwerk noch stärker laufen zu lassen und uns in viele Richtungen weiterzuentwickeln. 

 

... oder Südstern mit anderen Netzwerken verbinden?

ARMIN: Warum nicht? Auf jeden Fall wollen wir mit Südstern noch mehr Impulse setzen. Südstern muss unabhängig von den Personen funktionieren. Deshalb war die Entscheidung, das Netzwerk als Verein auf die Beine zu stellen, die einzig richtige. Die junge Generation ist jetzt gefragt, das Projekt aktiv voranzutreiben, auch in den lokalen Communitys. Wenn mein heute drei Jahre alter Sohn später einmal Erfahrungen im Ausland sammeln möchte und ihm Südstern auf welche Weise auch immer dabei helfen kann, fände ich das schön.

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