Drei Fragen an... Reinhold Gallmetzer: Einblicke in Gerechtigkeit und Klimaschutz!

Dienstag, 14.10.2025
Dr. Reinhold Gallmetzer ist Staatsanwalt am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und befasst sich seit vielen Jahren mit internationaler Strafverfolgung. Bei der diesjährigen Tagung des Planeten Recht am 31. Oktober in Bozen spricht er über grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Strafrecht – und gibt dabei persönliche Einblicke in seine Arbeit in Den Haag sowie sein Engagement für Klimagerechtigkeit.

 

 

Wie hat es dich beruflich nach Den Haag an den internationalen Strafgerichtshof verschlagen?

Kurz nach dem Ende des Krieges im ehemaligen Jugoslawien hatte ich die Gelegenheit, für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) als Justizausbildungsbeauftragter in Kosovo zu arbeiten. Diese Erfahrung weckte mein Interesse am Aufbau rechtsstaatlicher Institutionen und an Fragen der Gerechtigkeit in Nachkriegsgesellschaften.

Etwa ein Jahr später begann ich, internationales Strafrecht praktisch auszuüben, als ich beim UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag tätig wurde. Zu dieser Zeit wurde gerade der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) gegründet, und ich wollte unbedingt Teil dieser historischen neuen Institution sein und zu ihrem Aufbau beitragen. Ende 2004 trat ich schließlich dem IStGH bei, wo ich seit 2007 als Staatsanwalt in der Anklagebehörde tätig bin.

 

 

Was kann man sich unter der Tätigkeit eines „prosecutors“, also Staatsanwalt am Internationalen Strafgerichtshof vorstellen?

Ich bin Teil eines kleinen Teams von Staatsanwälten, das für Berufungsverfahren zuständig ist. Unsere Arbeit umfasst das Verfassen von Berufungsschriften und die Vertretung der Anklagebehörde in mündlichen Anhörungen vor der Berufungskammer. Außerdem arbeiten wir eng mit den Ermittlungs- und Anklageteams zusammen und beraten sie in rechtlichen und verfahrensrechtlichen Fragen, um sicherzustellen, dass das Recht korrekt und einheitlich angewendet wird.

Die Anklagebehörde selbst ist bemerkenswert vielfältig – sie vereint Fachleute aus mehr als 80 Ländern weltweit, darunter Staatsanwälte, Ermittler, Analysten, forensische Experten, Sicherheitsexperten, Übersetzer und viele andere. Jedes unserer Verfahren ist das Ergebnis einer echten Teamleistung, getragen von Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, Kulturen und Perspektiven – alle mit dem gemeinsamen Ziel, Gerechtigkeit zu schaffen.

 

 

Du hast neben Deiner Rolle am Internationalen Strafgerichtshof auch eine internationale gemeinnützige Organisation - das Center for Climate Crime Analysis (CCCA) – gegründet, deren Ziel es ist, Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. Wie kam es zu diesem besonderen Engagement in diesem Bereich?

Ich bin überzeugt, dass der Klimawandel eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist. Als meine Kinder geboren wurden, wurde mir diese Realität sehr bewusst und persönlich. Ich begann mich zu fragen, wie ich meine Erfahrung nutzen könnte, um einen sinnvollen Beitrag zu diesem Kampf zu leisten.

Diese Frage führte schließlich dazu, dass ich 2017 CCCA gründete. Die Idee entstand aus einer einfachen, aber beunruhigenden Erkenntnis: Ein erheblicher Teil der Treibhausgasemissionen geht auf illegale Aktivitäten zurück – doch diese Vergehen bleiben häufig ungesühnt, weil bestehende Gesetze und Vorschriften nicht konsequent durchgesetzt werden. Das wollte ich ändern.

Heute besteht CCCA aus einem engagierten Team von rund 30 Fachleuten –Juristen, Datenwissenschaftlern und Analysten –, die ein gemeinsames Ziel verbindet: das Recht zu einem wirkungsvollen Instrument zum Schutz unseres Planeten zu machen. Wir unterstützen Behörden mit hochwertigen Daten und Analysen, damit sie gezielt gegen illegale Umweltzerstörung vorgehen können. Außerdem arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, um ihre Sorgfaltspflichten zu stärken.

In den letzten Jahren haben wir uns vor allem auf die Bekämpfung illegaler Entwaldung und von Methanemissionen konzentriert – zwei der größten Treiber des Klimawandels.

DETAILS ZUM EVENT: 

 

Anmeldung unter info@brandstaetter.it oder info@suedstern.org

Wann? Am 31. Oktober 2025

Uhrzeit: 16:30 Uhr

Ort: Batzenhäusl – in der Stube im ersten Stock, Bozen, Andreas Hoferstr. 30

 

Wir bitten um Anmeldung bis spätestens 24. Oktober 2025 sowie um Mitteilung, ob Ihr auch beim anschließenden Törggelen dabei seid

Für Interessierte bieten wir eine Führung durch die Wirtshausbrauerei im Batzenhäusl an. Treffpunkt 15.00 Uhr in der Gaststube im Erdgeschoss (Anmeldung erbeten)

Weitere Infos findet ihr hier unter Events. 
 

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