„Es ist gerade viel im Umbruch”

Dienstag, 09.05.2023
Isabel Heidegger-Pircher ist auf die Behandlung von Prostatakarzinomen spezialisiert. Beim Health & Science Forum am 12. Mai erzählt sie, was sich in der Therapie verändert hat. Wir haben vorab mit der Urologin gesprochen.

 

Die Prostatagesundheit – nur ein Thema für ältere Männer?

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Tumorentität bei Männern weltweit und auch in Südtirol. Im Jahr 2021 wurden 415/100.000 Männer hierzulande mit Prostatakarzinom diagnostiziert und 67/100.000 starben im Jahr 2021 an einem Prostatakarzinom (Quelle: Landesgesundheitsbericht Südtirol 2021). Es gilt zu erwähnen, dass 75 Prozent der Prostatakarzinome bei Männern über 65 Jahren diagnostiziert wurden. Man unterscheidet generell Prostatakarzinome, die sehr langsam wachsen und selten zum Tode führen von solchen, die hoch aggressiv sind und somit rasch und intensiv behandelt werden müssen. Besonders junge Männer mit einer familiären Prädisposition sind häufig davon betroffen. Daher ist es wichtig, ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig zur urologischen Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

 

Warum ist die Prostata so anfällig für die Entstehung von Tumoren?

Im Wesentlichen ist die Entstehung des Prostatakarzinoms multifaktoriell, wobei nur das Alter und die familiäre Disposition als gesichert gelten. Aber auch Übergewicht, schlechte Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, häufige Entzündungen im Urogenitaltrakt oder hohe Testosteronwerte können mit der Entstehung oder dem Voranschreiten von Prostatakrebs assoziiert sein.

 

Bei Prostatakrebs gilt: Tumor ist nicht gleich Tumor.

70 bis 80 Prozent der Tumore werden in einem organbegrenzten Stadium entdeckt und können somit lokal mittels Operation oder Bestrahlung behandelt werden. Jedoch bekommen einige dieser Patienten ein sogenanntes Rezidiv, was nicht selten mit Metastasenbildung und Tod vergesellschaftet ist. Auf der anderen Seite entdecken wir etwa 15 Prozent der Karzinome in einem metastasierten Stadium – aber gerade in diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren extrem viel in der Therapie verändert.

 

Was sind die Fortschritte?

Bis vor einigen Jahren konnten solche Patienten nur mit alleiniger Hormontherapie behandelt werden. Nun haben wir eine Vielzahl von neuen Substanzen, die alleine verabreicht oder mit altbewährten Medikamenten kombiniert werden und somit die Überlebensraten um mehrere Jahre steigern können. Bis vor Kurzem galt das Prostatakarzinom als Nachzügler in der personalisierten Medizin. Mittlerweile sind aber auch genetisch basierte Präzisionstherapien wie PARP-Inhibitoren für Patienten im metastasierten kastrationsresistenten Stadium zugelassen. Zudem sind Radioligandentherapien wie mit PSMA Lutetium eine wichtige Therapieoption geworden.

 

Wie sind Sie zur Urologie gekommen?

Ich habe während meines Studiums auf der Urologie in Bozen und Meran famuliert und habe da beschlossen, Urologin zu werden. Nach meinem Medizinstudium habe ich im Urologielabor Innsbruck ein PhD-Studium in molekularer Onkologie zum Thema Wachstumsfaktoren beim Prostatakarzinom absolviert und somit hat alles seinen Lauf genommen. Mir gefällt die Vielfältigkeit des Faches und die Patienten sind auch meistens unkompliziert und dankbar.

 

Hier geht’s zu Programm und Anmeldung zum 9. Südstern Health & Science Forum: http://www.planetmedizin.com/

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