Innovation zwischen Terminal und Startbahn

Dienstag, 13.10.2026
In Brüssel aufgewachsen, in Wien angekommen und Südtirol im Herzen: Südstern Sofie Quaranta bringt als Innovationsmanagerin am Flughafen Wien neue Technologien in ein strategisch herausforderndes Umfeld. Im Interview erzählt die 24-Jährige mit Meraner und Vinschger Wurzeln von autonomen Fahrzeugen und KI, warum Scheitern zur Innovation gehört und wie es gelingt, Menschen für Veränderung zu begeistern.

 

 

 

Sofie, dein Job als Innovationsmanagerin ist für dich der sprichwörtliche Traumjob. Wie hast du es geschafft, ihn zu finden?

Der Ansatz war zweigeteilt. Zum einen habe ich versucht zu schauen: Womit beschäftige ich mich gerne in meiner Freizeit, wo lese ich mich gerne ein, worüber möchte ich gerne mehr lernen? Im Endeffekt sind das oft neue technologische Themen wie KI, Robotik oder Chips, aber auch Infrastruktur, Bau und Architektur. Mich faszinieren komplexe Strukturen und Infrastrukturen. Und dann ist da der Flughafen als Hub, an dem Waren und Menschen in die Welt getragen werden. Es ist ein Umschlagplatz. Es begeistert mich, diesen Ort zukunftsfähiger zu gestalten. 

 

Warum genau Flughafen?

Zum einen ist es der internationale Aspekt. Zum anderen finde ich, dass Menschen immer mobiler und neugieriger werden und den Horizont erweitern wollen. Sich auf neue Kulturen und Umgebungen einzulassen, finde ich wertvoll und deshalb gefällt es mir hier so gut. 

 

War Wirtschaft von Anfang an das Studium deiner Wahl?

Das Interesse hat witzigerweise schon in der Schulzeit angefangen. Bei uns gab es ein kleines Wächterhaus. Meine beste Freundin und ich haben bei der Schuldirektion angefragt, ob wir diese Hütte in ein kleines Kaffeehaus verwandeln dürfen. Die Direktion hat zugestimmt und uns ein Budget zur Verfügung gestellt, mit dem wir Basics wie Kühlschrank, Kaffeemaschine und Ausstattung anschaffen konnten. Die jüngeren Schüler waren in Schichten eingeteilt, und wir hatten in den Mittagspausen geöffnet. Mit dem Umsatz haben wir wiederum neue Materialien und Zutaten gekauft. So ist meine Faszination für das Wirtschaftliche, Organisatorische und Unternehmerische entstanden. Und mit dem Bachelor in International Business ist dann der internationale Aspekt noch dazugekommen. 

 

Gab es den einen Moment, wo du dachtest: Innovation, genau das möchte ich machen?

Im Masterstudium habe ich gemerkt, dass Innovation viel handgreiflicher ist und auch sehr viel Zwischenmenschliches mitbringt: mit den Leuten im Dialog zu sein und herauszufinden, was sie beschäftigt, wo sie ein Problem oder Optimierungspotenzial haben und wo sie nach neuen Technologien suchen. 

 

Ein Flughafen ist ein Umfeld, in dem jedes Rädchen funktionieren muss. Wie schafft man es, dort trotzdem Innovation und Veränderung hineinzubringen?

Ein Flughafen ist eine kritische Infrastruktur, also wichtig für das Land, die Bevölkerung und Gesellschaft, und zudem ein Hochsicherheitsbereich. Wenn man am Flughafen Innovation betreiben will, muss man schauen, dass man neue Dinge so testet, dass die normalen Abläufe nicht gestört werden. Die Sicherheit muss gewährleistet bleiben, alles muss rechtlich abgesichert sein und man braucht die notwendigen Freigaben der verschiedenen Abteilungen. 

 

Wie kann man Innovationen ausprobieren, ohne den operativen Bereich zu beeinträchtigen?

Wir testen neue Technologien meistens in einem zeitlich oder örtlich begrenzten Rahmen, zum Beispiel für zwei oder drei Monate, und starten mit einem einzelnen Anwendungsfall. Oft arbeiten wir in einem physisch abgetrennten Bereich parallel zum regulären Betrieb, etwa bei autonomen Fahrzeugen oder neuen Kamerasystemen. 

 

Was sind konkrete Beispiele für Innovationen am Flughafen?

Innovation ist hier extrem vielfältig. Der Flughafen managt alles, was auf unserer Fläche ist selbst, also auch Werbung, Parkhäuser, Abfertigung, Logistik, den Cargo-Bereich. Die Themen reichen von Bau über Logistik, Gebäude bis hin zu den Terminal-Operations. Innovation passiert sowohl im Software- als auch im Hardware- Bereich. Es gibt Tools, die den Arbeitsalltag der Mitarbeiter erleichtern, KI-Anwendungen im Förderwesen, autonome Rollstühle im Terminal oder autonome Markierungsroboter auf dem Vorfeld, die Linien markieren, um nur ein paar Beispiele zu machen. 

 

Innovation heißt auch scheitern. Wie gehst du damit um, wenn aus etwas, das dich zunächst überzeugt hat, nichts wird?

Ich glaube, das Wichtige an Innovation ist, Dinge schnell auszuprobieren, schnell Erfahrungswerte zu sammeln und zu schauen, ob etwas funktioniert oder nicht. Wenn etwas scheitert, ist es sowohl bei Innovation als auch privat wichtig, einen Lerneffekt daraus zu ziehen. Wenn wir beispielsweise ein neues Wegfindungs-Tool oder einen Chatbot im Terminal testen und es von Passagieren nicht so stark genutzt wird, wie vielleicht erwartet, lernen wir trotzdem etwas über das Besucher- und Passagierverhalten. 

 

Gibt es Technologien oder Innovationen in eurem Bereich, die man noch vor wenigen Jahren als Science-Fiction abgetan hätte? 

Autonome Fahrzeuge, die heute ganz selbstverständlich im Terminal oder in der Frachthalle eingesetzt werden, wie autonome Reinigungsroboter oder Kleinpaket-Transporter. Oder Drohnen, die PV-Anlagen, Asphaltflächen und Fassaden zur Inspektion überfliegen. Regulatorisch gibt es noch einige Barrieren für autonome Mobilität, und für Flughäfen gelten zurecht zusätzliche Sicherheitsanforderungen. Was wir aber bereits jetzt tun können, ist uns so gut wie möglich darauf vorzubereiten, die Anbieter und Technologien kennenzulernen und auf dem neuesten Stand zu bleiben. 

 

Was wird bald völlig normal sein, was wir uns jetzt vielleicht noch nicht vorstellen können?

Humanoide Roboter sind ein großes Thema. Gerade bei körperlich anstrengenden Arbeiten wie im Gepäckbereich ist es eine Herausforderung, Mitarbeitende langfristig zu gewinnen und zu halten. Ich glaube, dass humanoide Roboter hier in Zukunft unterstützen und Menschen bei körperlich belastenden Aufgaben entlasten werden.

KI hat die Arbeitswelt schon verändert, in Zukunft wird es noch grundlegender passieren. Mit welchem Blick verfolgt ihr die Entwicklung?

Wir haben im Moment über 30 Innovationsprojekte und die meisten davon haben einen KI-Anteil, sei es in Soft- und Hardware. Deshalb beschäftigen wir uns laufend damit. Für mich gibt es da zwei Seiten, die man betrachten muss. Ki sollte einen konkreten Mehrwert schaffen und dort eingesetzt werden, wo sie Prozesse sinnvoll unterstützt, vereinfacht oder effizienter gestaltet. Zum anderen entwickelt sich KI so schnell, dass die kulturelle Anpassung und Akzeptanz eine wichtige Rolle spielen. Als Innovationsmanagerin finde ich es deshalb besonders wichtig, die Menschen mitzunehmen, einzubinden und zu ermutigen, diese Technologien auszuprobieren. 

 

Wie schafft man es, Menschen für immer neue Prozesse zu gewinnen?

Da lerne ich selbst noch dazu und schaue mir auch Vorbilder am Flughafen und in anderen Unternehmen an. Ein wichtiger Punkt ist, Schritt für Schritt vorzugehen. Man beginnt mit einem konkreten Anwendungsfall, zum Beispiel KI im Förderwesen, und führt nicht alles auf einmal ein. Gleichzeitig muss man hervorheben, welche Unterstützung die KI als Werkzeug, zum Beispiel für Mitarbeiter, bietet. Wichtig finde ich auch, an der Neugierde der Menschen anzusetzen und begeisterte Kolleginnen und Kollegen zu suchen, die das Thema im Team weitertragen. Und wenn ein Innovationsprojekt umgesetzt wurde, gehört der Credit den Menschen, die das getan haben. 

 

Machst du privat auch Trends mit?

Ich probiere gern neue Dinge aus. Für mich ergänzen sich das Berufliche und Private gegenseitig. Genau deshalb mag ich meinen Beruf so gerne. Ich versuche, durch Reisen neue Länder kennenzulernen, in denen andere Technologien und kulturelle Themen präsent sind. Diesen Sommer war ich in China, weil mich die asiatische Kultur und die technologische Landschaft interessiert haben. In Shenzhen habe ich E-Autos, Drohnen, VR-Brillen und Roboter gesehen und ausprobiert. Einfach, um über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. 

 

Du bist in Brüssel aufgewachsen, lebst heute in Wien, deine Eltern sind Südtiroler. Was bedeutet dir Südtirol bei einem so internationalen Lebensweg?

Als Kind habe ich sicher drei Monate im Jahr in Südtirol verbracht, mittlerweile ist es ungefähr ein Monat im Jahr. Für mich ist es ein Ort, an den ich immer wieder zurückkehren kann, wo wir uns immer alle treffen. 

 

Wo fühlst du dich zu Hause?

Früher war das dort, wo meine Familie gerade war. Als Kind ist die Familie der Ankerpunkt. Mittlerweile ist Wien zu meiner Wahlheimat geworden, weil ich dort allen Aktivitäten nachgehen kann, die ich gerne mache und mich sehr wohl fühle. Die andere Heimat, die für mich einfach dazugehört und stark mit der Familie verbunden ist, ist Südtirol. Nach ihrer Pensionierung werden meine Eltern nach über 30 Jahren nach Südtirol zurückkehren. Es ist spannend zu sehen, wie man sich selbst verändert und wie sich auch das Land verändert, wenn man so lange Zeit irgendwo anders gelebt hat. 

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